Der Mai Mit rosigtem Flügel verjünget und neu auf sonnigte Hügel senkt froh sich der Mai. Franz Grillparzer Mai Leichte Silberwolken schweben durch die erst erwärmten Lüfte. Mild, von Schimmer sanft umgeben blickt die Sonne durch die Düfte. Johann Wolfgang von Goethe Im Mai sind alle Blätter grün, im Mai sind alle Kater kühn. … Weiterlesen
Der Frühling ist die schönste Zeit
Der Frühling ist die schönste Zeit! Was kann wohl schöner sein? Da grünt und blüht es weit und breit Im goldnen Sonnenschein. Am Berghang schmilzt der letzte Schnee, Das Bächlein rauscht zu Tal Es grünt die Saat, es blinkt der See Im Frühlingssonnenstrahl. Die Lerchen singen überall, Die Amsel schlägt im Wald! Nun kommt die … Weiterlesen
Aus gegebenem Anlass
Wollte nicht der Frühling kommen? Wollte nicht der Frühling kommen? War nicht schon die weiße Decke von dem Rasenplatz genommen gegenüber an der Ecke? Nebenan die schwarze Linde ließ sogar schon (sollt ich denken) von besonntem Märzenwinde kleine, grüne Knospen schwenken. In die Herzen kam ein Hoffen, in die Augen kam ein Flüstern – und … Weiterlesen
Grammatische Deutschheit
Neulich deutschen auf deutsch vier deutsche Deutschlinge deutschend, Sich überdeutschend am Deutsch, welcher der deutscheste sei. Vier deutschnamig benannt: Deutsch, Deutscherig, Deutscherling, Deutschdich: Selbst so hatten zu deutsch sie sich die Namen gedeutscht. Jetzt wettdeutschten sie, deutschend in grammatikalischer Deutschheit, Deutscheren Komparativ,deutschesten Superlativ. “Ich bin deutscher als deutsch.” “Ich Deutscherer.” ” Deutschester bin ich . … Weiterlesen
Vorfrühling
Es läuft der Frühlingswind Durch kahle Alleen, Seltsame Dinge sind In seinem Wehn. Er hat sich gewiegt, Wo Weinen war, Und hat sich geschmiegt In zerrüttetes Haar. Er schüttelte nieder Akazienblüten Und kühlte die Glieder, Die atmend glühten. Lippen im Lachen Hat er berührt, Die weichen und wachen Fluren durchspürt. Er glitt durch die Flöte … Weiterlesen
März
Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh! so lockend die Sonne vom Himmel blitzt, so lockend alles glänzt und glitzt … sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh! Es werden Tage wieder kommen bevor erblüht, wovon du träumst, da alles wie vorher trostlos weh in Regen sich begräbt und Schnee, Tage … Weiterlesen
Wir erkannten die Sträucher noch nicht
Wir erkannten die Sträucher noch nicht, Es hatte noch keiner sein Blättergesicht. Nur der Rosenbusch zeigte zartzackige Spitzen, Und der Schlehdorn beperlt tat voll Augen sitzen. Sonst Grüngras und Grünklee stunden bescheiden, Grün ohne Blume durfte den Acker nur kleiden, Und Wolken mußten im Grau noch weiden. Uns gingen die Augen in Umschau sehnsüchtig umher Und bepflanzten mit … Weiterlesen
Buch des Lebens
Haß, als Minus und vergebens Wird vom Leben abgeschrieben. Positiv im Buch des Lebens Steht verzeichnet nur das Lieben. Ob ein Minus oder Plus Uns verblieben, zeigt der Schluß. Wilhelm Busch
Das Buch
Der Erste schreibt es, Der Zweite vertreibt es, Der Dritte verschmäht es, Der Vierte ersteht es, Den Fünften entflammt es, Der Sechste verdammt es, Der Siebente schätzt es, Der Achte versetzt es, Der Neunte verpumpt es, Der Zehnte zerlumpt es, Der Elfte vergräbt es, Der Zwölfte verklebt es Zu Düten , denn im Krämerladen Da … Weiterlesen
Eh’ des Frühlings milde Luft
Eh’ des Frühlings milde Luft Neues Leben weckt, Ruht in Knospen tief versteckt Aller Blüten Duft. Eh’ geküßt vom Sonnenstrahl Blatt zu Blatt sich neigt, Jedes Sängers Stimme schweigt Rings in Wald und Thal Eh’ der Liebe milder Hauch In die Herzen drang, Sind sie tot für Liebesklang Und verschlossen auch. Mit der Liebe kommt … Weiterlesen
Amsel im Februar
Hinterm Park geht ungeheuer Dunstgeballt die Sonne auf, Blutig wie ein Urweltfeuer, Zwischen winterkalten Stämmen. Auf dem schneeverwehten Busch Plustert sich, noch leicht im Traum, Einer Amsel schwarze Kugel, Windgeschützt im stillen Raum. Plötzlich zuckt der gelbe Schnabel: Aus der kleinen Kehle taut, Eingeschlafen und verzaubert, Ein verschollner Flötenlaut. Arthur Koetz
Februar
Im Winde wehn die Lindenzweige, Von roten Knospen übersäumt; Die Wiegen sinds, worin der Frühling Die schlimme Winterzeit verträumt. Theodor Storm
Februar
Schon leuchtet die Sonne wieder am Himmel und schmilzt die Schneelast von den Dächern und taut das Eis auf an den Fenstern und lacht ins Zimmer; wie geht`s? wie steht`s? Und wenn es auch noch lang nicht Frühling, so laut es überall tropft und rinnt… du sinnst hinaus über deine Dächer… du sagst, es sei … Weiterlesen
Der Schnupfen
Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse, auf dass er sich ein Opfer fasse – und stürzt alsbald mit großem Grimm auf einen Menschen namens Schrimm. Paul Schrimm erwidert prompt: Pitschü! und hat ihn drauf bis Montag früh. Christian Morgenstern
Herbst
Ich bin, das lässt sich nicht bestreiten, Die herbste aller Jahreszeiten: Raue Winde, scharf wie Säbel, Welke Wälder, graue Nebel. Die Vögel klagen leise, leise Und gehen auf die Winterreise. Dann lischt die Sommersonne aus. Holt eure Gummischuhe raus! Mascha Kaleko
Novembertag
Nebel hängt wie Rauch ums Haus, drängt die Welt nach innen; ohne Not geht niemand aus; alles fällt in Sinnen. Leiser wird die Hand, der Mund, stiller die Gebärde. Heimlich, wie auf Meeresgrund, träumen Mensch und Erde. Christian Morgenstern
Komm, lieber Mai, und mache …
Komm, lieber Mai, und mache Die Bäume wieder grün, Und lass uns an dem Bache Die kleinen Veilchen blüh’n! Wie möchten wir so gerne Ein Blümchen wieder seh’n, Ach, lieber Mai, wie gerne Einmal spazieren geh’n. Zwar Wintertage haben Wohl auch der Freuden viel, Man kann im Schnee frisch traben Und treibt manch Abendspiel. Baut … Weiterlesen
Glück
Wie jauchzt meine Seele Und singet in sich! Kaum, dass ich’s verhehle, So glücklich bin ich. Rings Menschen sich drehen Und sprechen gescheut, Ich kann nichts verstehen, So fröhlich zerstreut. — Zu eng wird das Zimmer, Wie glänzet das Feld, Die Täler voll Schimmer, Weit herrlich die Welt! Gepresst bricht die Freude Durch Riegel und … Weiterlesen
Von der Zeit
Mein Haus sagte zu mir: “Verlass mich nicht, denn hier wohnt deine Vergangenheit”. Und die Straße sagte zu mir: “Komm und folge mir, denn ich bin deine Zukunft”. Und ich sage zu beiden, zu meinem Haus und zu der Straße: “Ich habe weder Vergangenheit, noch habe ich Zukunft. Wenn ich hier bleibe, ist ein Gehen … Weiterlesen
Von der Freundschaft
Euer Freund ist die Antwort auf eure Nöte Er ist das Feld, das ihr mit Liebe besät und mit Dankbarkeit erntet. Und er ist euer Tisch und euer Herd Denn ihr kommt zu ihm mit eurem Hunger, und ihr sucht euren Frieden bei ihm. Wenn euer Freund frei heraus spricht, fürchtet ihr weder das “Nein” … Weiterlesen
Ein Jahr ist nichts…
Ein Jahr ist nichts, wenn man’s verputzt, ein Jahr ist viel, wenn man es nutzt. Ein Jahr ist nichts, wenn man’s verflacht, ein Jahr war viel, wenn man es ganz durchdacht. Ein Jahr war viel, wenn man es gelebt, In eigenem Sinn genossen und gestrebt. Das Jahr war nichts, bei aller Freude tot, das uns im … Weiterlesen
Mein Neujahrswunsch
Was ich erwünsche vom neuen Jahre? Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre, Festzustehen im Grund der Erden, Nicht zu lockern und morsch zu werden, Mit den frisch ergrünenden Blättern Wieder zu trotzen Wind und Wettern, Mag es ächzen und mag es krachen, Stark zu rauschen, ruhig zu lachen, So in Regen wie Sonnenschein … Weiterlesen
Simples Neujahrslied
Vorüber ist das neue Jahr, Ich wünsche Glück zum neuen! Was euch das alte noch nicht war, Soll euch das neue sein. Ich greife zu dem vollen Glas, Und trink es aus und sag, Ich wünsche Jedem Alles was Er selbst sich wünschen mag. Ich wünsche euch Alles, was auch euch Befriediget und reizet, Und … Weiterlesen
Wir wollen glauben
Wir wollen glauben an ein langes Jahr, das uns gegeben ist, neu,unberührt, voll nie gewesener Dinge, voll nie getaner Arbeit, voll Aufgabe,Anspruch, Zumutung. Wir wollen sehen, daß wir´s nehmen lernen, ohne all zu viel fallen zu lassen,von dem, was es zu vergeben hat, an die,die Notwendiges, Ernstes und Großes von ihm verlangen. Rainer M.Rilke
Wünsche zum neuen Jahr
Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit. Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid. Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass. Ein bisschen mehr Wahrheit- das wäre was. Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh. Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du. Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut. Und Kraft zum … Weiterlesen
















